Ausstellungen

4Wände. Von Familien, ihren Häusern und den Dingen drumherum. Eine Ausstellung zum Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950, vom 15. April bis 31. Januar

4Wände

 

15 Millionen Einfamilienhäuser (EFH) stehen zwischen Alpenrand und Waterkant. Etwas mehr als ein Viertel der Deutschen wohnt in einem, drei Viertel träumen vom eigenen Haus im Grünen. Doch was macht das EFH so attraktiv, dass Familien sich für seinen Bau oder Kauf auf Jahrzehnte verschulden? Und welche gesellschaftlichen Folgen zieht es nach sich? Allein schon wegen des hohen Ressourcenverbrauchs?

4Wände

 

Das Museumsdorf Cloppenburg  widmet dem Eigenheim eine große Sonderausstellung. Drei Jahre lang haben die Museumsmitarbeiter zusammen mit der Universität und Fachhochschule in Münster sowie der Volkskundlichen Kommission für Westfalen hierzu geforscht, Häuslebauer befragt, sich deren Häuser angesehen, Bauunternehmer und Baustoffhändler kontaktiert, in Archiven gesucht und zahlreiche Dinge und Geschichten aus dem Einfamilienhausalltag gesammelt. Herausgekommen ist eine außergewöhnliche Ausstellung zu einem ausgesprochen widersprüchlichen Phänomen. Denn so sehr sich viele Menschen nicht nur in Deutschland ein eigenes Haus im Grünen wünschen, so problematisch erscheinen Architekten, Landes- und Stadtplanern die vorhandenen und neu entstehenden Einfamilienhaussiedlungen. Zu groß der Aufwand für Infrastruktur und Unterhaltung, zu unsicher die Zukunft. Was passiert mit den eigenen vier Wänden, wenn die Kinder ausgezogen sind und das Haus mit seinen Erbauern in die Jahre kommt?

4Wände

 

4Wände vor Ort

Die Cloppenburger Ausstellung 4Wände. Von Familien, ihren Häusern und den Dingen drumherum dreht sich um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Einfamilienhauses und geht dabei neue Wege. Gleich am Parkplatz begrüßt ein leuchtend gelber Bauwagen die Besucher, weist ihnen den Weg nicht nur ins Museumsdorf, sondern auch – und das ist der Clou – in die Einfamilienhaus-Nachbarschaft des Museums. Denn der Ausstellungsteil 4Wände vor Ort führt durch eine richtige EFH-Siedlung! Das hat es so noch nie in einem Freilichtmuseum gegeben. Kleine hausförmige Vitrinen markieren den Weg und erzählen Geschichten zur Siedlung. Die Anwohner dort haben dem Museumsmitarbeitern ihre Hausbaugeschichten erzählt, Objekte geliehen und geben bunten Gartenzwergen Obdach, die Kindern kniffelige Fragen stellen. Mit dem am Bauwagen erhältlichen 4Wände-Suchspiel macht die Ausstellung auch den jüngsten Museumsbesuchern Spaß.

4Wände

 

Das "Haus im Übergang"

Der EFH-Weg endet beim Haus Elfert, dem Haus im Übergang. Das ist ein 1951 erbautes kleines Siedlerhaus, dessen letzte Bewohner vor wenigen Jahren verstorben sind. Der nebenan wohnende Sohn Georg Elfert hat alles erhalten, so wie es zuletzt war. Und er hat den Museumsleuten seine Familienfotoalben geöffnet. Die ausgestellten großgezogenen Schnappschüsse in die Vergangenheit zeigen, wie das Leben in dem Haus aussah. Da können die Besucher vieles wiederentdecken, was sie, ihre Eltern oder Opa und Oma auch hatten. Alles darf angefasst, alle Türen dürfen geöffnet werden. Eigene Erinnerungen und Geschichten, die in den Sinn kommen, können notiert und hinterlassen werden. Doch das über die Jahrzehnte immer wieder an die sich wandelnden Bedürfnisse angepasste Haus stellt mit seinem gesamten Interieur auch die Frage nach seiner Zukunft. Bleibt es erhalten oder kann es weg? Das Haus Elfert ist ab dem 1. November bis zum 28. Februar täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet und vom 24. bis 31.12 geschlossen. Der Eintritt ist dort frei.

4Wände

 

EFH spielen

Aber auch die 4Wände-Ausstellung im Museumsdorf hält Überraschungen bereit: Der Ausstellungsteil 4Wände. Hier spielt das Leben nähert sich dem EFH spielerisch. Mehrere Spiele laden auf einem Durchschnitts-EFH-Grundriss dazu ein, ins Einfamilienhausleben – mit all seinen Vor- und Nachteilen – einzutauchen. Was spricht für, was gegen den Kauf oder Bau des Eigenheims? Ein Spiel lässt die Besucher darüber debattieren. Bei einem anderen geht es darum, alle Aufgaben, die ein Einfamilienhaus-Familienleben mit sich bringt, ins rechte Lot zu bringen, damit der Haussegen nicht schief hängt. Oder man versucht, seine „Platzkiller“, die vielen Steh-im-Wege aus Garage, Keller und Dachboden dem Gegenspieler unterzujubeln. Oder man spielt Roulette um unsere Wohnzukunft. Damit sich die Kleinen nicht langweilen, können diese mit dem Bobby-Car wie im richtigen Leben den EFH-Parcours zwischen Kindergarten, Schule, Musikunterricht, Supermarkt und bester Freundin abfahren.

4Wände

 

Und selbstverständlich: Es gibt auch Objekte zu sehen: Dinge, Möbel, Hausrat, die vom Einfamilienhausdasein erzählen. Was ist typisch EFH, was nicht? Vom Autoreifen bis zum Ziegelstein. Es lohnt sich also unbedingt, im Museumsdorf Cloppenburg vorbeizuschauen, um die 4Wände nicht zu verpassen.

 

Die Forschung im Hintergrund

Die Ausstellung ist Ergebnis eines dreijährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und gemeinsam mit dem Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster, dem Institut für Wasser, Ressourcen und Umwelt IWARU der Fachhochschule Münster sowie der Volkskundlichen Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe durchgeführten Forschungsprojekts. Sie wurde u.a. gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, von der Stiftung Niedersachsen, der Oldenburgischen Landschaft, der Landessparkasse zu Oldenburg, den Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, der Carola Wüstefeld Stiftung, dem Freundeskreis Museumsdorf Cloppenburg, dem Kulturforum Cloppenburg sowie Baustoffe J. Kleyer GmbH, Strop Haustechnik GmbH & Co KG und REBO-Motorgeräte GmbH.

Katalog: Cai-Olaf Wilgeroth, Michael Schimek (Hg.): 4Wände. Von Familien, ihren Häusern und den Dingen drumherum. Das Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950. Museumsdorf Cloppenburg 2018. 288 S., reich bebildert.

Führungen: Im Rahmen der „Sonntagsspaziergänge“ des Museumsdorfes oder separat zu buchen.

Kinder: Kinder-Quiz durch den Ausstellungsteil 4Wände vor Ort, eigener Spielbereich im Ausstellungsteil 4Wände. Hier spielt das Leben.

 

Die Ausstellung ist das Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.
Nähere Information zu diesen Forschungen erhalten sie hier