Nette Neuzugänge

manchmal gibt es wirklich nette Überraschungen bei uns im Museum. Vor ein paar Tagen kommt unser pädagogischer Leiter auf mich zu, kramt aus einer Plastiktüte drei Fotos und meint: kennen Sie das? Für die Fahrradsammlung.
Seit letztem Jahr besitzen wir die Sammlung von Gabi und Kalle Kalkhoff, die mit freundlicher Unterstützung des Fahrradherstellers Derbycycle, dem Landkreis Cloppenburg und der Stadt Cloppenburg angekauft werden konnte.
Umso schöner nun der Inhalt, der aus dieser Tüte kam...

Drei Fotos mit Radrennfahrern und ihren Fahrrädern. Zwei Bilder aus dem Jahre 1896, das dritte ist nicht genau datierbar.

Die Bilder kennen wir eigentlich schon. Sie waren Einsendungen der Leseraktion in der Münsterländischen Tageszeitung letztes Jahr. Nun dürfen wir die Originale in unser Museum aufnehmen.

Hier also die Corpi Delicti...:

uebersicht

in groß:

 

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B. Gebracht, Cloppenburg, 1896 - Phrotographie auf Passepartout 27x33cm - Photograph aus Münster

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J. Rosemeyer, Lingen, 1896 - Photographie auf Pappkarton mit Silberrand und Bildunterschrift, Rückseite beschriftet

Zu Josef Rosemeyer verrät uns Wikipedia noch folgendes:

„Er startete in vier Disziplinen auf dem Velodrom Neo Faliro: Im 10-Kilometer-Rennen wurde er Vierter (das genaue Ergebnis ist nicht bekannt), im 333⅓-Meter-Zeitfahren wurde er mit 27,2 Sekunden Achter und damit Letzter. Das Rennen über 2000 Meter konnte er wegen Probleme mit seinem Fahrrad nicht beenden und wurde daher ebenso Letzter wie auch beim 100-Kilometer-Rennen.

Rosemeyers Nominierung für die Olympischen Spiele waren 1895 Erfolge auf deutschen Radrennbahnen vorausgegangen, drei Siege, zwei zweite und vier dritte Plätze. In einer Rangliste der „Herrenfahrer“ belegte er Platz 23 und war 1895 als einer von elf Amateuren für die Bahn-Radweltmeisterschaften in Köln gemeldet, wo er jedoch keinen Erfolg erringen konnte. Eine Zeitlang hielt er auch den deutschen Rekord über 100 Kilometer." http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Rosemeyer (abgefragt am 17.10.2012)

Eine bemerkenswerte Sache noch...
Man sieht auf alten Bildern oft die Radfahrer mit ihren Maschinen abgebildet. Die frühe Photographie war das Medium der Wahl, sich zu zeigen. Mit den Mitteln dessen, was man konnte, darstellte oder sein wollte. Und so gab es in den photographischen Inszenierungen der Zeit eben nicht nur Portraits und Stilleben, sondern auch sozial interpretierbare Formatierungen im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Und zu guter Letzt...

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Auszug aus "Giganten der Landstraße", A. Reuze, Berlin 1928

Die hatten damals wirklich keine Gangschaltung, nicht einmal bei der Tour de France. Dort durfte man diese erst 1936 einsetzen. Zwei Gänge waren dennoch erlaubt. Auf jeder Seite des Hinterrades ein Ritzel, jedes unterschiedlich groß. Wie man dies auf dem Bild oben aus dem Abenteuerbuch / Roman "Giganten der Landstraße" von Andre Reuze aus dem Jahr 1928 gut erkennen kann. Man "schaltete", indem man das Hinterrad ausbaute, umdrehte und wieder ein setzte.
Das Buch entstand aus Erfahrungen mit der tatsächlichen Tour de France. Die Fotos sind wohl authentisch, lassen sich allerdings nur schwer einer Jahreszahl zuordnen. Die Strecke im Buch ist mit 5400 km angegeben. Das Rennen wurde gegen den Uhrzeigersinn gefahren und fand wahrscheinlich 1913 oder später statt.

 

und die Passfahrt hinauf:

passfahrt

Auszug aus "Giganten der Landstraße", A. Reuze, Berlin 1928

 

Viel Spass bei Ihrer Herbsttour, ob mit oder ohne Gänge!

F.P.